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Bis 2050 soll der CO2-Ausstoß im Flugverkehr weltweit um 50 Prozent niedriger liegen als 2005 – dieses klimapolitische Ziel hat sich die globale Luftfahrtindustrie gesetzt. Ein wichtiges Instrument dabei ist der Einsatz von Biokerosin. Bei seiner Verbrennung wird nur so viel CO2 frei gesetzt, wie die Pflanzen aufgenommen haben. Außerdem ist Biokerosin schwefel- und aromatenfrei, sodass bei seiner Verbrennung weniger Rußpartikel gebildet werden als bei fossilen Treibstoffen.

Als biogene Energieträger für die Biokraftstoffe der jüngsten Generation können Algen mit wichtigen Vorteilen punkten: Sie vermehren sich schnell; ihre Wachstumsrate ist sieben- bis zehnmal so hoch wie die von Landpflanzen. Auf die Anbaufläche bezogen haben Algen eine deutlich höhere Biomasse-Produktivität als andere Energiepflanzen. Außerdem sind Algen keine Konkurrenz für die Nahrungsmittelproduktion – die "Teller-oder-Tank"-Kontroverse erübrigt sich. Weitere Vorzüge der grün-glitschigen Rohstoff-Produzenten: Sie ernähren sich von CO2 aus der Luft oder aus industriellen Emissionen.

Diese Eigenschaften machen Algen zu einem interessanten Rohstoff für die Gewinnung von Biokerosin. Allerdings ist die Herstellung des algen-basierten Treibstoffs so kostspielig, das er bislang für den kommerziellen Einsatz nicht infrage kommt. Dieses Problem soll gelöst werden: Im Forschungsprojekt AUFWIND, das im Sommer 2013 gestartet ist, klären unter der Leitung des Forschungszentrums Jülich zwölf Partner aus der Forschung und Industrie, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Umfang sich Biomasse aus Mikroalgen als Basis für die Herstellung von Kerosin eignet. AUFWIND steht für "Algenproduktion und Umwandlung in Flugzeugtreibstoffe: Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Demonstration". Dieses Akronym unterstreicht den Anspruch, entlang der gesamten Prozesskette sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Aspekte zu untersuchen und dabei dem Praxisbezug einen hohen Stellenwert einzuräumen.

Es gibt bereits vielversprechende Ansätze für die Produktion von Kerosin auf Algenbasis: Ein Projektpartner, die Verfahrenstechnik Schwedt GmbH, hat ein Verfahren entwickelt, um aus Biomasse Flugbenzin herzustellen. Der Luftfahrtkonzern EADS, ebenfalls an AUFWIND beteiligt, hat bereits Testflüge mit algen-basiertem Kerosin absolviert. Im Rahmen des auf eine Laufzeit von zweieinhalb Jahren angelegten Verbundprojekts (Gesamtvolumen: 7,4 Millionen Euro) werden die Beteiligten unter anderem verschiedene Technologien zur Zucht von Mikroalgen vergleichen. Eine wichtige Fragestellung ist außerdem, welche Algenarten sich am besten zur Kerosinproduktion eignen. Um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, soll die Verwertbarkeit der Nebenprodukte geprüft werden, die bei der Treibstoffproduktion aus Algen anfallen.

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