Auf den Verkehrssektor in Deutschland entfallen knapp ein Drittel des gesamten Primärenergieverbrauchs und 17,7 Prozent der Treibhausgasemissionen. Fast zwei Drittel der verkehrsbedingten CO2-Emissionen gehen auf das Konto des individuellen Personenverkehrs. Diese Relationen weisen den Verkehrssektor als wesentlichen Ansatzpunkt für energieeffiziente Technologien aus. Eine Reduktion der zurückgelegten Wegstrecken durch intelligente Mobilitätssteuerung und die Reduzierung der Stauzeiten sind vielversprechende Hebel zur Verminderung des Energieverbrauchs und der entstehenden Emissionen von Luftschadstoffen und Treibhausgasen. Gleichzeitig müssen verstärkt alternative Antriebstechnologien in die Mobilitätskonzepte integriert werden. Während im Rahmen klassischer Infrastrukturvorhaben umfangreiche Investitionen vorgesehen sind, steckt die vielbeschworene Vernetzung der Verkehrssysteme, die eine einfache Nutzung unterschiedlicher Verkehrsträger ermöglichen würde, bislang in den Kinderschuhen. Das digitale System Urban Connected Mobility umfasst den innerstädtischen Personenverkehr (Infrastruktur und Fahrzeuge). Innerhalb dieses Systems engagiert sich eine Vielzahl von Akteuren, die innovative Geschäftsmodelle entwickeln.

Das digitale System Urban Connected Mobility besteht aus vielen Einzelkomponenten. Privatpersonen, Unter nehmen oder öffentliche Institutionen können auf verschiedene Transportmittel wie Pkw (in Privateigentum oder geteilt) oder öffentliche Verkehrsmittel zugreifen. Buchungen für die einzelnen Verkehrsmittel können separat durchgeführt werden, größtenteils auch über (mobile) Internetangebote. Außerdem ist die individuelle Zielführung durch Parkleit- oder Navigationssysteme gegeben. Bestehende Verkehrsinfrastrukturen wie Ampeln sind mit Sensoren ausgerüstet und Tank-beziehungsweise Ladestationen erlauben in großem Maßstab den Einsatz von Pkw mit unterschiedlichsten Antriebstechnologien.

Durch die Digitalisierung werden diese bisher separat agierenden Akteure vernetzt. Dabei bildet die virtuelle Verkehrssteuerung das zentrale Element. Hier laufen Daten von Nutzern, Transportmitteln, Infrastruktur und Zielen zusammen, werden verarbeitet und weiter geleitet. Informationen zu Mobilitätspräferenzen und Destinationen werden durch die Steuerung analysiert und in das System eingepflegt. Entlang der vier Hebel der digitalen Transformation kann das digitale System Urban Connected Mobility aufgespannt werden.

Komponenten und Aufbau des digitalen Systems Urban Connected Mobility

Unternehmen innerhalb des digitalen Systems

Der Facettenreichtum des digitalen Systems Urban Connected Mobility zeigt sich in der hohen Zahl der im Markt agierenden Unternehmen. Lösungen für Parkraummanagement werden von Unternehmen wie Parkpocket oder ParkTAG angeboten, während Cisco und HP auf dem Gebiet der digitalen Daten wirken. Carzapp oder Getaround haben ihre Kompetenzen beim Nutzerzugang, während QNX oder Delphi die Automatisierung der Mobilität voran treiben. Ähnlich den Beobachtungen in den anderen digitalen Systemen ist die Urban Connected Mobility also geprägt von einer starken Diversifizierung und Spezialisierung der Unternehmen, was die hohe Zahl an Akteuren erklärt.

Wie auch in den anderen digitalen Systemen fallen die unterschiedlichen Hintergründe der diversen Unter nehmen auf. Sharing-Anbieter wie Scoo.me oder Drivy konkurrieren mit Beförderungsunternehmen wie MyTaxi oder Uber. Über die Tochterfirmen DriveNow, car2go und Flinkster sind nun auch Automobilhersteller wie BMW, Daimler und klassische Mobilitätsdienstleister wie die Deutsche Bahn im Segment aktiv. Außer dem liefern die Automobil-Zulieferer Continental oder Bosch, das Sensorikunternehmen Trilumina oder die Telekommunikationsfirma Cisco intelligente Lösungen für die Vernetzung von Fahrzeugen. Im Wettbewerb um die Vernetzung der einzelnen Komponenten trifft ein Industriekonglomerat wie Siemens auf Spezialunternehmen wie Elektrobit. Des Weiteren kämpfen Kartendienste wie Here und Atlatec mit Dienstleistern wie Parkbob um Marktanteile.

Startups wie Qixxit, Carjump oder Plugsurfing nehmen eine Schlüsselrolle im digitalen System Urban Connected Mobility ein. Durch die cloudbasierte Vernetzung von Nutzern, Mobilitätsangeboten und Infrastruktur sitzen sie an den Knotenpunkten der Digitalisierung und fungieren als Treiber der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen. In dieser Rolle agieren sie in den einzelnen Segmenten als Bindeglied zwischen den technologielastigen Unternehmen und Kunden und profitieren gleichzeitig von vergleichsweise geringen Investitions- und Entwicklungskosten.

Digitales System Urban Connected Mobility – Segmentierung und Unternehmensbeispiele