Bei Betrachtung der Materialströme wird deutlich, wie immens hoch der weltweite Ressourcenverbrauch im Bausektor ist: Etwa die Hälfe der gesamten Rohstoff entnahmen weltweit fließt in das Bauwesen. Von den mineralischen Rohstoffen sind es sogar 80 Prozent. Gebäude werden aber nicht nur errichtet, sondern auch wieder abgerissen: Auf die Demontage entfallen rund 50 Prozent der globalen Abfallmengen. Die gebaute Infrastruktur hat damit einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung des Umwelt- und Ressourcenschutzes.

Auch in Deutschland hat die Baubranche einen erheblichen Anteil am Rohstoff- und Materialverbrauch. Jährlich werden etwa 535 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe für die Produktion von Baustoffen und Bauprodukten verwendet, davon etwa zwei Drittel Feldsteine und Kiese, knapp ein Viertel Sande; der Rest entfällt auf Kalk, Gips und andere Kategorien.

Von den rund 400 Millionen Tonnen Abfallaufkommen, die die Statistik für Deutschland ausweist, entfällt mit 209 Millionen Tonnen über die Hälfte auf Bau- und Abbruchabfälle. Deren Recyclingquote liegt bei 88 Prozent, jedoch wird davon nur gut ein Drittel einer hoch wertigen Wiederverwendung zugeführt. Ein Großteil des aufbereiteten Bauabfalls wird zur Verfüllung im Straßenbau und im Deponiebau genutzt. Es handelt sich hierbei fast ausschließlich um ein Downcycling, also die Umwandlung des Ausgangsprodukts zu einem qualitativ schlechteren Endprodukt.

Der Weg zu einer Reduktion des Ressourcenverbrauchs im Bausektor führt über die Verbesserung der Ressourceneffizienz. Wesentlich ist dabei, die Ressourcenproduktivität über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu erhöhen, also von der Planung über die Produktion und Auswahl der Baustoffe bis hin zum Betrieb und Rückbau beziehungsweise Recycling der gebauten Infrastruktur.

Komponenten und Kreislauf des digitalen Systems Building Information Network

Unternehmen innerhalb des digitale Systems

Innerhalb des digitalen Systems Building Information Network wirken sämtliche Akteure entlang des Immobilienlebenszyklus mit. Dazu zählen die etablierten Unternehmen, die durch die Erweiterung ihres Leistungsangebots die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen. In der Betriebsphase sind das insbesondere verbesserte Wartungsangebote (zum Beispiel durch remote control und predictive maintenance) oder erweiterte Energieeffizienzdienstleistungen der Facility-Management-Anbieter (Disaggregation von Energieverbrauch durch Big Data). In der Planungsphase greifen Ingenieurbüros zunehmend auf komplexe Datenmodelle bei der Berechnung und Simulation zurück. Ihr Beitrag im Sinne der Vernetzung und Integration beschränkt sich aber im Wesentlichen auf die eigene Wertschöpfungsstufe und führt eher zu einer vertikalen Vertiefung.

Neue Marktteilnehmer besetzen gezielt die Rolle des zentralen Datenmanagements und ermöglichen eine horizontale Vernetzung. Hier konkurrieren die Anbieter von Bausoftware (beispielsweise Softtech oder Autodesk) mit branchenfremden Akteuren, etwa dem Telekommunikationsunternehmen Verizon oder der Geodaten-Firma Trimble.

Im Bereich Recycling sind die klassischen Dienstleister wie Remondis, Alba und Suez aktiv, die sich insbesondere auf die Aufbereitung herkömmlicher Bauabfälle fokussieren. Innovative Baustoffhersteller, die auf Basis unterschiedlicher Abfallfraktionen völlig neue Baustoffe herstellen, leisten einen wesentlichen Beitrag für ein höherwertiges Recycling; zu diesen Unternehmen zählt beispielsweise Miniwiz mit einem Wandbaumaterial („POLLI-Brick™"), das auf 100 Prozent recyceltem Kunststoff basiert.

Eine andere Gruppe von Startup-Unternehmen hat sich auf die elektronische Abbildung von komplexen und übergreifenden Prozessen in der Bauwirtschaft spezialisiert. Mit PlanRadar können beispielsweise Mängel an Gebäuden während der Bauphase digital erfasst und deren Behebung systematisch von der Initiierung bis hin zur Abnahme digital bearbeitet und verfolgt werden.

Digitales System Building Information Network - Segmentierung und Unternehmensbeispiele