Die Müllberge werden sich rund um den Globus zu gigantischen Gebirgen auftürmen. Ohne energisches Gegensteuern wird die Menschheit im Jahr 2100 elf Millionen Tonnen Abfall pro Tag produzieren. Die wachsende Müllmenge fordert nicht nur einen hohen ökonomischen Preis, sondern geht auch auf Kosten der Umwelt. In den meisten Entwicklungs- und Schwellenländern ist die Infrastruktur zur Abfallentsorgung unzureichend oder gar nicht vorhanden. Ungeregelte Lagerung, illegale Deponien und Müllverbrennung unter freiem Himmel führen zu erheblichen Umweltbelastungen und Gesundheitsrisiken. Verunreinigungen des Bodens, des Grundwassers und der Oberflächengewässer schädigen die Ökosysteme. Die nicht sachgerechte Behandlung und Deponierung von Abfall hat auch erhebliche Auswirkungen auf das Klima. 

Damit die Müllberge nicht in den Himmel wachsen, gilt es weltweit die Kreislaufwirtschaft auszubauen. Sie wird von zwei Merkmalen charakterisiert: Abfallvermeidung und Rückgewinnung von Wertstoffen. Die Kreislaufwirtschaft hat das Potenzial, durch die Verwertung von Abfällen den Einsatz von Primärrohstoffen und die mit ihrer Gewinnung einhergehenden Umweltbelastungen zu reduzieren. Der hohe Stellenwert der Abfallvermeidung und des Recycling weist auf das Ideal des Full-Cycle-Konzepts hin: Das Modell der geschlossenen Kreisläufe folgt dem Prinzip natürlicher Ökosysteme, die keinen Müll produzieren, sondern alle Stoffe in wiederverwertbare Ressourcen verwandeln.

Das Leitbild der Kreislaufwirtschaft sieht eine fünfstufige Abfallhierarchie vor mit der Rangfolge Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstige, insbesondere energetische, Verwertung und Beseitigung. Vorrang hat die unter Umweltaspekten beste Option, wobei ökologische, technische, wirtschaftliche und soziale Folgen zu betrachten sind.

Die Abfallhierarchie bildet einen Rahmen für die Einteilung der Marktsegmente des Leitmarktes Kreislaufwirtschaft (siehe Abbildung): Dienstleistungen und Infrastruktur im Bereich Abfallsammlung, -transport und -trennung bilden das Fundament der Kreislaufwirtschaft, denn sie sind die Voraussetzung für die Abfallverwertung. Das Marktsegment Stoffliche Verwertung besteht aus den Technologielinien Werkstoffliche Verwertung und Rohstoffliche Verwertung. Als werkstoffliche Verwertung werden Recyclingverfahren bezeichnet, bei denen der Stoff und seine chemische Struktur erhalten bleiben. Darunter fällt beispielsweise das Umschmelzen von Altkunststoffen zur Herstellung von Granulat. Bei der rohstofflichen Verwertung werden die Stoffe so behandelt, dass es zu einer Änderung der chemischen Bindungen kommt: Aus Altkunststoffen lassen sich zum Beispiel Öle, Wachse oder Gase gewinnen. 

Eine weit verbreitete Form der energetischen Verwertung ist die thermische Abfallbehandlung: Der Abfall wird verbrannt, und die dabei freigesetzte Energie wird zur Wärmebereitstellung oder Stromerzeugung genutzt. Eine weitere Option der energetischen Verwertung ist die Nutzung von Bioabfällen in Biogasanlagen. Abfälle, die nicht für eine stoffliche oder energetische Verwertung infrage kommen, müssen umweltgerecht beseitigt werden. Technologielinien, die diesem Zweck dienen, sind im Marktsegment Abfalldeponierung zusammengefasst.

Marktsegmente und wesentliche Technologielinien

Marktsegmente und wesentliche Technologielinien im Leitmarkt Kreislaufwirtschaft